Nationalpark Kellerwald-Edersee

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Naturschutzgroßprojekt

Mit dem „Förderprogramm zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ beteiligt sich der Bund an Naturschutzvorhaben, die im internationalen Vergleich beispielhaft das Engagement des Naturschutzes in Deutschland belegen. Ende 2005 wurde das Naturschutzgroßprojekt Kellerwald bewilligt. Für die Umsetzung stehen mehrere Millionen Euro bereit.

www.ngp-ke.de


Das Projektgebiet

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee mit seinen ausgedehnten und naturnahen Wäldern ist ein Kerngebiet des Naturschutzgroßprojektes. Weitere Teilgebiete sind die nördlichen Edersee-Steilhänge und die Kulturlandschaft um Frankenau. Im Hohen Keller wird geprüft, ob dort ebenfalls eine Förderung in Frage kommt.


Die Ziele

Die einzigartige Landschaft mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt soll unserer Nachwelt erhalten bleiben. Wege dorthin sind eine umweltverträgliche, integrierte Regionalentwicklung und eine sanfte, touristische Erschließung.

Die Umsetzung

Bis Ende 2007 wird ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet. Innerhalb von 8 Jahren sollen die Maßnahmen umgesetzt werden, die alle auf freiwillige Vereinbarungen und partnerschaftliche Zusammenarbeit setzen.


Das Naturschutzgroßprojekt Kellerwald wird gefördert durch:
  • Bundesamt für Naturschutz
  • Naturpark Kellerwald-Edersee
  • Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz des Landes Hessen
  • Nationalpark Kellerwald-Edersee
Naturschutz-Grossprojekt



Helikoptereinsatz für die Pfingstnelke gestartet –

Naturschutzmaßnahmen im Nationalpark Kellerwald-Edersee im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Region Kellerwald

Bad Wildungen Bringhausen. Angesichts der internationalen Verantwortung für die Pfingstnelke führen Nationalpark und Naturpark eine außergewöhnliche Aktion zur Stützung dieses Vorkommens in der Banfebucht bei Edertal-Bringhausen durch. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts von gesamtstaatlicher Bedeutung werden per Helikoptereinsatz in dieser Woche Kiefern aus den Pfingstnelken-Felsfluren an den Hängen des Bloßenbergs entnommen.

Für die Vorkommen der Pfingstnelke besitzt Deutschland nach heutigen Erkenntnissen eine internationale Verantwortung, 75 % der Wettpopulation wachsen in Deutschland. An den Banfehängen zwischen Bloßenberg und Daudenberg existiert die größte hessische Population, wie der Pfingstnelken-Experte Ralf Kubosch aus Siegen, der die Maßnahme fachlich berät, schon 1987 in seiner Diplomarbeit belegt hat. Aus einer aktuellen europaweiten genetischen Vergleichsstudie von Professor Marcus Koch von der Uni Heidelberg an allen Pfingstnelkenvorkommen geht hervor, dass die heute kaum mehr ausbreitungsfähige Reliktpflanze das Zentrum ihrer größten genetischen Vielfalt in Mitteldeutschland hat und seit Jahrtausenden in diesen Felsrefugien lebt. Nach Kuboschs Erkenntnissen aus seiner Dauerbeobachtung im Rahmen des Nationalparkmonitorings wird die Pfingstnelke aber durch die Nadelstreu eingebrachter Kiefern erheblich stärker beeinträchtigt als bisher angenommen, so dass Renaturierungsmaßnahmen für das floristische Juwel der Edersee-Region dringender denn je sind. Die Nadeln verkeilen sich ineinander und werden weder vom Regen fortgespült noch durch Wind fortgetragen, außerdem verwittern sie sehr langsam. Moose siedeln sich auf diesen dichten Nadelpolstern an und bilden selbst dichte Polster. Diese Barriere kann die Pfingstnelke nicht durchwachsen und „erstickt“ durch Lichtmangel. Des Weiteren werden beim Verwitterungs-prozess der Kiefernnadeln sowohl Stickstoff als auch Nährstoffe freigesetzt, die die Nachbarvegetation wie Gräser oder dicke Moospolster fördert. Diese verdämmen langfristig die konkurrenzschwache Pfingstnelke.

„Den Einsatz von Hubschraubern im Naturschutz mussten wir uns natürlich gut überlegen“, sagt Nationalparkleiter Manfred Bauer. Nach sorgfältiger Prüfung aller in Frage kommender Alternativen ist aber unter den örtlichen Umständen nur eine Helikopter-Fällung mit Unterstützung durch spezialisierte Baumkletterer für die Entnahme geeignet. Nur so ist die größtmögliche Schonung von Boden und Vegetation gewährleistet, denn dadurch lassen sich an den für Maschinen unzugänglichen Hängen Schäden an den Nelkenpolstern und Biotopstrukturen sowie ihrer sensiblen Begleitflora, insbesondere den langsamwüchsigen Flechten und Moosen, weitgehend vermeiden.
„Diese außergewöhnliche Maßnahme zum Schutz der Pfingstnelkenfluren werden im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts "Kellerwald-Region" vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums, vom Land Hessen und vom Naturpark gefördert“, erläutert Rainer Paulus, Geschäftsführer des Naturparks Kellerwald-Edersee und ergänzt: „Die Kosten für die bisher geplante Entnahme der ca. 200 Kiefern  belaufen sich auf rd. 50.000 €“.

Nach sorgfältiger Planung und Vergabe ist mit der Durchführung der Maßnahme die „Arbeitsgemeinschaft Helikopterfällung“ beauftragt. In ihr arbeiten erfahrene, bundesweit tätige Baumpfleger aus Nordhessen und Südniedersachsen mit einem Helikopterunternehmen aus Baden-Württemberg zusammen. Olaf Florin von der „Arbeitsgemeinschaft Helikopterfällung“ beschreibt das Vorgehen wie folgt: “Unsere ausgebildeten Baumkletterer  begeben sich mit einer speziellen Seiltechnik in die zu fällenden Bäume. Der Helikopter schwebt über ihnen. Das Lastenseil wird zu den Baumkletterern hinab gelassen, die es dann am Kiefernstamm für den nachfolgenden Abtransport befestigen. Im Anschluss daran schneiden sie mithilfe einer Motorsäge ein Stück der Kiefer ab. Dieser Stammabschnitt kann dann durch den Helikopter gleich übernommen und abtransportiert werden ohne das er vorher den sensiblen Boden berührt hat. Über einen festgelegten Flugkorridor werden die Kronenteile oder Stammabschnitte  direkt ausgeflogen und in einem genau definierten Bereich für die Weiterverarbeitung abgelegt. Die Kiefernkronen werden maschinell gehäckselt, die Stammabschnitte manuell durch Nationalparkranger aufgearbeitet. Dieser Arbeitsablauf wird sich ca. 2-3 Mal pro Baum wiederholen. Im laufenden Arbeitsprozess koordinieren sich alle Beteiligten ständig über Funk, Arbeitssicherheit hat die oberste Priorität. Im Helikopterteam weist ein Lotse den Piloten wechselweise zu einem jeweils einsatzbereiten Kletterer. Der Pilot Udo Ramm fliegt seit 27 Jahren Helikopter und gehört mit mehr als 13 000 absolvierten Flugstunden zu den erfahrensten Piloten Deutschlands.“

Für die Dauer der Arbeiten müssen aus Sicherheitsgründen in Abstimmung mit Gemeinde und Wasserschifffahrtsamt der Edersee-Radweg in der Banfebucht und Abschnitte des Urwaldsteigs im Nationalpark sowie die landwirtschaftlichen Zuwege zum Flug- und Arbeitskorridor tageweise gesperrt werden. Für entsprechende Umleitungen und Hinweise für Wanderer und Radfahrer wird gesorgt.