Nationalpark Kellerwald-Edersee

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Drittes hessisches Naturwaldforum Buche am 5. und 6. Mai 2010 - Eiszeit-Relikt in den Quellbächen des Nationalparks Kellerwald-Edersee entdeckt

Buchenwaldforum Fast 100 Fachleute aus Forschung und Praxis sowie an den Forschungsergebnissen interessierten Bürger kamen zum dritten Naturwaldforum Buche in die Holzfachschule nach Bad Wildungen und bekamen dort einen Überblick über die Forschung im Nationalpark Kellerwald-Edersee.

Der Staatssekretär Mark Weinmeister unterstrich die Bedeutung des Nationalparks für das Land Hessen und bezeichnete sich selbst als Nationalpark-Fan. Die Erforschung der Artenvorkommen und Lebensgemeinschaften in bodensauren Buchenwäldern sei ein wichtigstes Ziel im Kellerwald.

Seit der Ausweisung des Großschutzgebietes zum 1. Januar 2004 wird eifrig in verschiedenen Bereichen geforscht. Mit einem abgestimmten Forschungskonzept steuert die Nationalparkverwaltung, unterstützt durch einen Forschungsbeirat, die Intensität und Priorität der einzelnen Forschungsbereiche.

Themen waren:

  • die Arteninventarisierung beispielsweise durch die 2. Biotoptypen-Kartierung und FFH-Grunddatenerfassung als auch die Beobachtung der Walddynamik im Großschutzgebiet.
  • die Permanente Stichprobeninventur, bei der insgesamt rund 30.000 Bäume, 6.500 Totholzstämme (stehend und liegend) sowie 20.000 Pflanzen der Verjüngung aufgenommen wurden. 
  • die Erforschung der im Schutzgebiet vorkommenden Fledermausarten. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee gilt als das am besten fledermauskundlich untersuchte Gebiet in Europa.
  • die Quellenuntersuchungen im Nationalpark. Mit fast 500 Quellen sind nur etwa gut die Hälfte der im Gebiet vorhanden Quellen untersucht. Die Funde in diesem bisher noch unerforschten Lebensraum sind spektakulär:
    • Die nur 2 mm große Dunkers Quellschnecke erreicht im Nationalpark ihre östliche Verbreitungsgrenze.
    • Der in den ungestörten Buchenwaldquellen lebende Alpenstrudelwurm ist eine Leitart für absolut sauberes Wasser und wird als Eiszeitrelikt angesehen.
    • Aus der Familie der Pilzmücken wurde neben zahlreichen Erstnachweisen für Hessen auch eine Art neu für Deutschland nachgewiesen (coleosia fusca).
  • der mit 8.500 ha größte zusammenhängende Buchenurwald Europas, der „Uholka Schyrokyj“, der sich durch seinen großen Totholzreichtum, seinen vielschichtigen Waldaufbau und seine bis zu 350jährige Urwaldbäume auszeichnet.
  • eine umfassende Untersuchung der Spurengase über Europa im Rahmen des  EU-Projekts „CarboEurope“ ergab, dass Wald die einzige verbleibende Landnutzung sei, die Kohlenstoff aufnähme und speichere. Denn obwohl Grasländer ebenfalls zu einer CO2-Senke führten, werde deren Netto-Bilanz durch erhebliche Emissionen von Methan und N2O (Stickstoff) kompensiert.

Exkursion zu den Quellen des Nationalparks

Passend zu den Themen der Fachtagung fand am darauffolgenden Tag eine Exkursion zu ausgewählten Forschungsbereichen statt. Praxisnah wurden u.a. die Quellforschung und verschiedenen Versuchsapparaturen und Messgeräte in der sog. Level-II-Station demonstriert. An einer knorrigen hohlen Buche konnte das Domizil des Veilchenblauen Wurzelhalsschnellkäfers (Limoniscus violaceus) – eine absolute Rarität und gleichzeitig FFH-Anhangsart – gezeigt werden.

Am frühen Nachmittag endete die Wanderung und gleichzeitig auch das 3. Hessische Naturwaldforum Buche. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass der Nationalpark noch viele Naturschätze bereithält, um weitere interessante Naturwaldforen durchzuführen. Für 2012 ist die nächste Veranstaltung geplant.